Offensichtlich hat es nun also endlich auch die Deutsche Bahn mitbekommen, dass man als Clubfan durchaus Kummer gewöhnt ist und so manches Leid klaglos aushält. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, was sich am Wochenende auf der Strecke zwischen Berlin und Nürnberg abspielte. Die Deutsche Bahn machte sich ihr Wissen zunutze und haute mit voller Wucht in die Kerbe.
Los ging es mit dem ICE um 6:52 Uhr ab Berlin-Hauptbahnhof. Bereits angekündigt waren dieses Wochenende Schwierigkeiten um Nürnberg herum. Ein neues Stellwerk wird in Betrieb genommen, das dauert, das kostet und vor allem legt es den halben Zugverkehr lahm. Daher schon im Voraus der Hinweis: Der Zug fährt nur bis Bamberg und von dort gibt es Schienenersatzverkehr – mit Bussen und über eine Stunde über die Dörfer.
Zu diesem Schienenersatzverkehr sollte es jedoch gar nicht erst kommen. Denn kaum war der ICE in Leipzig eingefahren, kam eine nervöse Durchsage: Alle Reisenden, die nach Bamberg bzw. Nürnberg wollten, müssten hier bitte dringend in den gegenüberliegenden Zug umsteigen. Die Strecke nach Bamberg sei ab Rudolstadt wegen eines Fahrgastunfalls gesperrt. Die Reisenden werden gebeten, in den vorderen Zugteil des Zuges nach Frankfurt zu steigen. Dies sei nötig, weil der Zug in Fulda geteilt würde und mit dem vorderen Teil können man dann nach Würzburg und von da weiter nach Nürnberg.
Gesagt getan, der Großteil der Fahrgäste springt auf, Rentner flitzen über den Bahnsteig und mit nur wenigen Minuten Verspätung geht es in Richtung Frankfurt, um nach Nürnberg umzusteigen. Ich versichere mich auch im Zug noch einmal: Ja, in diesem Teil des Zuges können sie bis Würzburg fahren und von dort mit dem ICE direkt nach Nürnberg. Nein, der Streckenabschnitt sei von der Stellwerkumstellung nicht betroffen.
Also suche ich mir einen gemütlichen Platz, lasse die Fahrt über mich ergehen und wundere mich dann doch, als es kurz vor Fulda heißt: Sehr geehrte Fahrgäste, Reisende nach Nürnberg werden gebeten, in Fulda umzusteigen, da dieser Zug heute nicht über Würzburg fährt. Kurz gewundert, Mund abgewischt und in Fulda umgestiegen in einen Zug, der angeblich über Würzburg, Ingolstadt, Nürnberg nach München fährt.
Der Zug ist voll und gerade habe ich mir einen Platz in einem überfüllten Abteil gesucht, kommt die Durchsage: Meine Damen und Herren, bitte beachten Sie, dass dieser Zug heute nicht in Nürnberg hält. Reisende mit Ziel Nürnberg werden gebeten in Würzburg in den ICE nach Wien umzusteigen.
Was tut man nicht alles für ein Fußballspiel und in der Tat hält der ICE von Würzburg nach Wien sogar wirklich in Nürnberg. Letztlich bin gerade mal 25 Minuten später in Nürnberg als ich es mit dem Schienenersatzverkehr mit Bus geschafft hätte. Also Schwamm über das dreimalige Umsteigen und die Leute im Biergarten Dutzendteich getroffen.
Ein schönes Spiel war es nicht, aber was soll’s, so lange am Ende die drei Punkte auf der Habenseite stehen. Nach dem Spiel noch schnell ein Bierchen in den Max-Morlock-Stuben geschlabbert, mich von angelos.fcn und Rhönradfahrer verabschiedet… schließlich fährt ja mein Zug zurück um 19.05 Uhr. Angekündigt durch – sie wissen schon – die Probleme mit dem Stellwerk, geht die Fahrt zurück nach Berlin über Würzburg, Göttingen und soll schließlich um 0.22 Uhr in Berlin enden.
Um 18.55 Uhr (also zehn Minuten vor der eigentlichen Abfahrt) betrete ich den Bahnsteig in Nürnberg, von dem die Regionalbahn nach Würzburg fahren soll. Ich komme kaum dazu, mich zu wundern, dass der Bahnsteig so leer ist, als auch schon die Ansage kommt: Der Zug fährt hier heute nicht. Reisende nach Würzburg nehmen bitte die U-Bahnlinie 1 bis Fürth-Hauptbahnhof. Dort haben sie dann Anschluß an den Regionalexpress nach Würzburg.
Ich also in die U-Bahn und nach Fürth (!!!!), treffe in der U-Bahn noch den Schalker-Alex und wir unterhalten uns darüber, dass Nürnberg echt ein Dorf sei, dass man sich immer wieder trifft. Wir hatten uns nämlich nach dem Spiel schon den Morlock-Stuben im Stadion getroffen, um die Karten fürs Bauern-Spiel zu übergeben.
Um 19.17 Uhr komme ich dann am Hauptbahnhof in Fürth an, um zu lesen, dass die Regionalbahn nach Würzburg um 19.13 Uhr gefahren ist. Der Zug ist weg, der nächste fährt in zwei Stunden. Für die, die nur nach Würzburg wollen – kein Problem – Scheiße zwar wegen zwei Stunden Wartezeit auf dem Fürther Hauptbahnhof, aber letztlich machbar. Für Leute, die nach Berlin wollen – nicht machbar. Keine Chance mehr, in Würzburg noch einen Zug nach Berlin zu erwischen.
Der – zugegeben recht nette – Mensch am Fürther Service-Point schlägt erst einmal die Hände über dem Kopf zusammen. Wie können die in Nürnberg solch eine Ansage machen? Es ist inzwischen 19.30 Uhr und der Mensch sagt mir: Wenn sie in Nürnberg geblieben wären, wäre in drei Minuten ein Zug in Richtung Frankfurt/Fulda gefahren und ich hätte meinen Anschluss nach Berlin noch bekommen. Egal, jetzt stehe ich in Fürth und der nette Mensche mir gegenüber stellt sich als Clubfan raus und schickt mich wieder zurück nach Nürnberg.
Dort geht dann auch in der Tat endlich mal alles ganz schnell. Kaum am Service-Point gemeldet, habe ich kaum eine halbe Stunde und ungefähr 17 Formulare später mein Hotelzimmer für die Nacht auf Kosten der Bahn. Bliebe noch zu erwähnen, dass ganz am Ende der langen Kette der Pannen dann noch eine weitere Panne hinzu kam: Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass das Hotel in der Tat keine 50 Meter vom Bahnhof entfernt liegt und ich dann tatsächlich um 20.25 Uhr schon eingecheckt war. Liebe Bahn, das kann doch nicht Euer Ernst gewesen sein, oder? Zumindest eine halbstündige Taxifahrt in irgendein abgelegenes Stadtrandgebiet hätte ich schon noch erwartet.
Nun war es also erst 20.25 Uhr und ich war in meinem Hotelzimmer und konnte angelos.fcn und den Rhönradfahrer anrufen, um den Rest der Nacht zum Tage zu machen. Ich mache einen kurzen Umweg über den Hauptbahnhof, weil ich mir zumindest noch eine Zahnbürste kaufen will und wen treffe ich…. den Schalker-Alex. Nun gut, wie war das mit der Unterhaltung in der U-Bahn?
Nach Zahnbürstenkauf gibt es in der Unterführung noch ein kurzes Treffen mit Breiti und dem Voochel. Die beiden sind nicht mehr so recht fit, aber immerhin schafft es der Voochel noch, einen Bahnangestellten komplett zu verwirren. Die Zigarette genüßlich im Mund, wird der Voochel nämlich von einem Herrn in DB-Anzug angesprochen und bekommt einen Flyer in die Hand gedrückt – mit einem deutlichen Hinweis auf ein Bußgeld, da das Rauchen in der Unterführung nicht gestattet sei.
Doch der Mensch ist ja nett und sagt nur, Voochel solle sich halt jetzt schnell was einfallen lassen, damit es nicht zu Bußgeld kommt. Und da der Voochel kein Dummer ist, nickt er nur kurz, verabschiedet sich und geht mit seiner Zigarette einfach in Richtung U-Bahn. Der Bahnbedienstete staunt Baukötze und erzählt mir noch, dass er ja nun eigentlich erwartet hatte, dass der Herr mit seiner Zigarette nach oben gehen würde, um sie dort zu Ende zu rauchen. Könnte ich auch nicht ändern, sagte ich und ließ ihn ebenfalls stehen.
Schließlich warteten angelos.fcn und der Rhönradfahrer auf dem Volksfest auf mich, wo wir dann auch noch diverse Bierchen schlabberten und einen staunenden King Guinness trafen, der mich eigentlich längst auf der Heimfahrt vermutete. Es gab dann noch diverse Rennen im Go-Kart, verschiedene Stubser im Autoscooter und zu guter Letzt noch ein leckeres Bier im Finns.
Auf dem Weg ins Hotel dann noch ein besonderes Erlebnis für Clubberer, die seit Jahren daran arbeiten, der Hauptstadt klar zu machen, dass in Berlin der FCN regiert. Drei Mann hoch hatten nämlich gerade das Finns verlassen, als eine Gruppe Berufsjugendlicher durch die Altstadt torkelten und irgendwas von “Hertha BSC” sangen. Die jungen Männer waren zu Besuch im Frankenland und wussten sich einfach nicht zu benehmen. Nun gut, also haben wir es ihnen beigebracht: Das mit dem Benehmen und natürlich auch das mit der Regierung in der Hauptstadt.
Bliebe noch zu erwähnen, dass es auf dem Heimweg noch politische Diskussion am Tram-Bahnhof gab, wo sich eine Gruppe Jusos die Nacht mit einem Wahlwerbestand um die Ohren schlugen, dass es dort Pfefferminz gab und dass am Sonntag in Sachen Rückfahrt nach Berlin dann tatsächlich alles reibungslos verlief.
Auch so kann man einen Clubsieg erleben. Vielen Dank, dass Sie mit der Deutschen Bahn gefahren sind.
14. September 2009
Sänk ju for träveling wiss Deutsche Bahn
31. August 2009
The Cool Cats
In unserer Reihe Junge, aufstrebende Bands am Kühlschrank in Prenzlauer Berg präsentieren wir heute THE COOL CATS. Schon nach ihrem ersten, gemeinsamen Auftritt am letzten Samstag im Bumerang haben sich die beiden jungen Frauen einen unumstoßbaren Platz im Rock-Olymp gesichert. Selbst zwölfstündige Auftritte in der Stubbenkammerstraße steckt das Duo locker weg – wie das Foto beweist. Oh ja, die beiden Cousinen rocken! Bitte mehr davon.
P.S. Bewerbungen für das nächste Foto in unserer Reihe werden ab sofort unter der bekannten E-Mail-Adresse entgegengenommen.
23. August 2009
Mitten in Prenzlauer Berg
Den Frust über eine unterirdische Club-Leistung zu verdauen, dauert manchmal etwas länger und auch, wenn selbst am Sonntag Abend die letzten Reste der Enttäuschung noch nicht ganz verschwunden sind, trifft man am späten Samstag Abend manchmal mitten in Prenzlauer Berg auf einen leeren Kühlschrank, der die letzten Stunden seines Daseins auf einem verlassenen Bürgersteig fristet. Also schnell noch ein Foto gemacht, ehe man sich in die Nacht verabschiedet und schon fühlt man sich wie ein Rockband und fragt sich als Betrachter: Was für Musik mögen die Drei wohl machen?

16. August 2009
Wer auf Reisen geht…

… kann was erleben – und erst recht, wenn es nach Frankfurt geht, dieses komische Gebilde zwischen Bankhochhäusern und Rotlichtvierteln, welches sich Mainhatten nennt. Die Hinfahrt ohne große Komplikationen überstanden, obwohl der eigentliche Zug um 8.58 Uhr schon mit 25 Minuten Verspätung in Berlin ankommen soll. Mit dem Anschlusszug in Leipzig ist es dann also essig, doch die Deutsche Bahn zeigt sich kulant, hebt die Zugbindung auf und so geht es eben mit dem ICE um 9.37 Uhr direkt und ohne Umsteigen nach Frankfurt. Durch die direkte Fahrt kommen wir letztlich nur wenige Minuten später als ursprünglich geplant in Frankfurt an. Zwei nette alte Damen verkürzen mit ihrem Gespräch die Zugfahrt, die eine mit echtem Fußballsachverstand, die andere ohne Ahnung, aber durchaus interessiert.
Durch Frankfurt geht es mit dem Tram ans Stadion, warm ist es und die ersten seltsamen Menschen kreuzen unseren Weg. Offensichtlich auf dem Weg ins Schwimmbad tragen die Menschen seltsame Klamotten. Quietschbunte Boxershorts, Sandalen, seltsame Hüte und natürlich darf weder die Kühlbox noch die Decke fehlen.
Im Stadion trifft man sie dann alle… naja, fast alle… Wo ist Hubert? Schade, der Mann, der gute Laune verbreitet, ist heute nicht mit dabei. Dafür ruft mir aus dem Sitzplatzblock plötzlich jemand hinterher. Das Gesicht kenne ich doch: Der Helmut. Lange nicht mehr gesehen und die Freude übers Wiedersehen ist groß. Er fühlt sich ein wenig verschaukelt, weil sein Sitzplatz laut FCN in einem Clubblock hätte sein sollen. Ist er aber nicht, alles wild durchmischt mit Eintracht- und Clubfans. Da muss er nun leider durch.
Das Spiel macht Spaß und nachdem Basti vom Koblenz (der sich redlich bemüht hat) die Flüstertüte übernimmt, ist dann auch ordentlich Stimmung im Block. Der Club lässt sich anstecken, erkämpft und erspielt sich ein hochverdientes 1:1.
Was folgt ist der Rückweg: Eine Freakshow sondergleichen. Nur seltsame Menschen steigen in Frankfurt ein und die erste Überraschung gleich, als wir in den Zug einsteigen. Die Bahn beteiligt sich Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und so wurden die Müllbehälter an den Tischen der ICE-Wagen entfernt. Statt dessen hält nun ein Ein-Euro-Jobber die Hand auf, wenn man seinen Müll entsorgen will. Wir konnten es selbst nicht glauben, doch das zweite Foto beweist es:
Die komischen Leute aus Frankfurt quetschen sich in die ersten Wagen des Zuges, während unserer Wagen bis auf wenige Ausnahmen leer bleibt. Kaum haben wir Hanau erreicht, betritt ein bulliger Moses-Pelham-Detlef-D-Soost-Verschnitt den Wagen. Irgendwas lallt und gröhlt der Typ von “Forever SGE” und “Es gibt nur eine Eintracht”. Besoffen wie er ist, will er uns auf ein Bier einladen, erzählt uns noch, dass er über Göttingen noch nach Erfurt muss. Wir wünschen gute Fahrt und kaum ist der Mann verschwunden, taucht der nächste Freak auf der Bühne auf. Eigentlich eine Freakin. Eine Frau mit goldener Handtasche, Mitte Fünfzig vielleicht und kaum hat sie den Wagen betreten, begrüßt sie uns mit einem lauthalsen Gähnen und einem Laut, der unmöglich aufzuschreiben ist. Später soll auch noch ein handfester Rülpser folgen, den selbst der Zugführer wahrscheinlich gehört hat, doch bis dahin wundert uns schon gar nichts mehr. In einer Lautstärke, der man trotz der Fahrgeräusche des Zuges, problemlos folgen kann, hat die Frau inzwischen ihre Selbstgespräche aufgenommen, erzählt des Öfteren etwas von Dingen, die sie mit sich nicht machen ließe und dass sie doch ein Recht habe, sich zu verteidigen. Fahrgäste, die in Fulda oder Göttingen zusteigen vermuten zunächst ein überlautes Handygespräch, suchen jedoch ebenso vergeblich wie wir nach einem Telefon am Ohr der Frau.
Später erfahren wir noch, dass eine der Frauen in dem imaginären Gesprächskreis eine echte Schickse sei und das Franz es mit ihr im Keller getrieben habe. Dinge, die wir immer schon wissen wollten und die uns fast ein wenig traurig machen, als der Zug in Berlin schließlich seine Endstation erreicht.
29. April 2009
Als die Welt noch in Ordnung war…
Keine vielen Worte will verlieren… nur soviel: Es hätte so schön werden können. 12.000 Clubfans in Frankfurt, der Club geht sogar in Führung und die Stimmung ist ausgelassen. Die bedien Videos zeigen es: Es hätte alles so schön werden können…
24. November 2008
17. November 2008
Geile Auswärtsfahrt
So, Jungs und Mädels….
als hätte ich es gewusst. Irgendwann kann auch der Club nicht mehr anders und muss auswärts mal wieder gewinnen.
Letzte Woche hört man sich im Stüble noch die berechtigten Fragen an, warum man sich das Alles antut und nach Wochenfrist gibt der Club selbst die Antwort: Man tut es sich an, weil man Tage wie in Ingolstadt nicht verpassen will.
Michael A. Roth schon um 10.30 Uhr in der Bahnhofskneipe – zusammen mit M. Bader (Details gerne auf Nachfrage). Dann eine aggressive Sandra, weil der Support nicht funzt – nicht, weil die Leute nicht wollen, sondern weil da rechts im Block ein Drummer steht, der sein Handwerk nicht versteht…
Mit Bernhard in der Pause philosophiert und nach dem Spiel mit Hubert und Konsorten erst die Busse verabschiedet und dann in der berühmten Bahnhofskneipe fürstlich gespeist.
Leute, was für ein Tag – vor ziemlich genau einem Jahr noch in Bielefeld halbtot gefroren (von St. Petersburg in wenigen Tagen vor einem Jahr ganz zu schweigen) und nun das. Das Derby kann kommen: WIr hauen Kräuter Fett mit 7:5 aus dem Stadion.
Es grüßt von irgendwo
DER DISORDER
24. Oktober 2008
Scheiße noch eins
So ein verdammter Mist. Donnerstag Abend in Berlin und die schönen Erinnerungen an die letzte Saison mit all ihren Europapokal-Erlebnissen sind längst im Nirvana des Zweitligaabstiegskampfes verschwunden… also gönnt man sich an einem UEFA-Cup-Abend einen schönen Spätnachmittag, denkt nicht mehr an die Zeiten in St. Petersburg oder Lissabon… und was passiert???
Irgendwann ist man auf dem Weg nach Hause, wartet auf das Tram und plötzlich strömen aus allen Türen des S-Bahnhofs am Alex die Hertha-Fans. Immerhin: Sie scheinen nicht bester Laune… und irgendwie freut mich das. Voller Scheu und mit noch mehr Ekel spreche ich irgendwann einen von den Blau-weißen an, frage, wie das Spiel ausgegangen ist…
1:1 kommt in knappen Worten zurück. Ich jubiliere !!! Innerlich, wohlgemerkt… denn es werden immer mehr… blau-weiße Menschen – offensichtlich ohne jeden IQ!
Eigentlich würde ich lieber eine andere Straßenbahn nehmen, aber irgendwie muss ich ja auch nach Hause kommen.
Also bearbeite ich mein Club-Schlüsselband wie eine Gebetskette… intensiv und jeden Griff mit tiefstem Bewusstsein, trotzdem so, dass es außer mir Niemand merkt…
Ich stopfe mich in die überfüllte Tram, schaffe es gerade so an meine Haltestelle und kotze Berlin erst einmal den Bürgersteig voll, als ich ausgestiegen bin.
Gott, bin ich froh, dass ich Clubfan bin!!!!!
25. September 2008
Lieber zweite Liga…
Da hat der Wüstenfabrikant Uli also wieder mal Losglück gehabt und bekommt in der zweiten Runde einen schwächelnden Zweitligisten zugelost und als Bundeshauptstädter hat man nichts Besseres zu tun als sich quer durch die Republik in Richtung Arroganz-Arena aufzumachen. Ob sich das lohnt?
Ankunft in München um 17.36 Uhr Ortszeit, vom Hauptbahnhof die Goethestraße runter, am Goetheplatz vorbei und am U-Bahnhof Poccistraße in die Schmellerstraße. Die Pension ist ok, nichts großes, aber sauber und billig – und gerade letzteres ist zu Oktoberfestzeit in der bayerischen Landeshautstadt eher die Ausnahme. Ein Zwei-Sterne-Zimmer für 122 Euro wollten sie mir im Internet andrehen. 122 Euro ohne Frühstück und für eine Nacht wohlgemerkt.
Im Zimmer selbst schnell die übliche Schlachtenkleidung übergeworfen und dann nichts wie raus nach Frötmanning. Die U-Bahn voll bis übervoll und ich kann Euch sagen, Leute – die Hölle auf Erden. Bauernfans, wo man hinsieht oder hinhört. Und nicht schlimm genug, dass sie einfach nur da sind. Nein, sie fangen auch noch an, einem ein Gespräch zu drücken und das Ohr abzukauen. Und schließlich sei der Club ja bestimmt im nächsten Jahr auch wieder erste Liga. Sorry, Leute, das will ich aus dem Mund eines Bauernfans gar nicht hören. Lieber zweite Liga als ein Bauernschwein.
Als sich die Massen irgendwo im Niemandsland und viele Stationen hinter der Haltestelle Nordfriedhof endlich aus der U-Bahn schieben, kann ich sie dann irgendwo weit entfernt doch noch hören… zwei einsame Kehlen, deren Besitzer die Bedeutung des Wortes Fan doch noch nicht so ganz vergessen haben. „Scheiß FCN, scheiß FCN“, brüllen die Einsamen. Nicht sonderlich laut, nicht sonderlich einfallsreich – zugegeben. Doch durch das Lächeln, welches mir über das Gesicht huscht, merke ich, dass es genau das ist, was ich von einem Bauernfan hören will. Ich will, dass er mich Scheiße findet, dass er mich anbrüllt, mir zu verstehen gibt, dass ich als Person nichts wert bin. Denn nur so ist es schließlich ein Duell auf Augenhöhe und wenn ich schon so weit fahre, dann will ich Gegner, keine Opfer.
Im großen Strom der Sitzplatzfußballgucker geht es dann über die Brücke in Richtung Arroganz-Arena. Der Kommerztempel ist vor Scham schon ganz rot, weil er zu ahnen scheint, dass die Stimmung in der Heimkurve auch heute wieder weit unter der Erde liegen wird.
In den Blöcken unter dem Dach – gefühlte 500 Meter vom Spielfeld entfernt – in denen die Gäste in München untergebracht werden, kommt rein lautstärketechnisch nicht einmal ein lauer Wind aus der Gegenkurve an. Im Gegenteil: Als die Clubfans die sangesmäßige Überzahl in der Arena übernehmen, fällt den Hoeneß-Angestellten nichts besseres ein, als die Musikbeflutung des Stadions lauter zu drehen. Keiner Wunder, dass ein Megaphon in der Gästekurve nicht erlaubt ist. Könnte sonst noch mächtiger peinlich werden, als es ohnehin schon ist.
Nach dem Spiel sind die Schotten in der Gästekurve erst einmal dicht. Schließlich sind die Bauern auf den Rängen keine zwei Sekunden nach dem Abpfiff aufgesprungen und müssen schleunigst nach Hause. Ach, wie langweilig: Schon wieder gewonnen. Wie bitte? Man kann einen Sieg auch feiern? Man kann der eigenen Mannschaft applaudieren? Aber warum denn? Die spielen doch auch von allein so gut.
Mit einem Kopfschütteln, das gar nicht mehr aufhören will, geht es dann nach dem Spiel in Richtung Pension. Nichts mehr los in der Stadt. Die Wies’n hat schon zu, überall torkeln einem besoffene Trachtenträger entgegen und so beschließe ich, mich mit ein bis drei Flaschen Bier aufs Zimmer zurück zu ziehen. Klingt doch logisch… ist es aber nicht, denn erneut habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Es ist kurz vor zwölf und ich irre die Landwurmstraße hoch und runter auf der verzweifelten Suche nach einem Laden, der noch offen hat. Spätverkauf? Dönerbuden? Fehlanzeige. Alles tot. Kein Bier. Nur besoffene Leute.
Am Goetheplatz habe ich dann doch noch Glück. Die Flasche Bier für 2,- Euro. Exklusivität hat schließlich ihren Preis.
Der nächste Morgen beginnt ausnahmsweise mal mit Etwas, wo es nichts zu meckern gibt. Das Frühstück in der Pension ist gut und reichlich. Mit ein paar Amerikanerinnen ins Gespräch gekommen, die den Sprung über den Teich extra fürs Oktoberfest gemacht haben. Ich fasse mir nur innerlich an den Kopf, denn ansonsten scheinen die Mädels ganz in Ordnung.
Nun, und wenn die schon mit dem Flieger zur Wies’n kommen, werfe ich halt auch noch einen Blick auf das Fest.
Es ist kurz nach elf Uhr und regnet. Wahrlich nicht die besten Voraussetzungen für ein Volksfest. Dementsprechend hält sich meine erste Begeisterung auch in erheblichen Grenzen. Mit der Achterbahn will und kann ich so früh am Morgen sowieso noch nicht fahren. Die Leistungen des Clubs reichen mir momentan an Auf und Ab.
Also ein kurzer Blick in eins der unzähligen Bierzelte geworfen. Wobei das Wort Zelt längst hoffnungslos untertrieben ist. Dass die Dinger nicht inzwischen auch schon eine Kellerbar haben, grenzt an ein Wunder.
Trotzdem und spätestens als die Blaskapelle ihre Instrumente erhebt: Nicht meine Welt. Also gehe ich noch kurz gucken, ob die Klos auch sauber sind. Sind sie nicht und trotzdem Respekt: Es ist genau 11.46 Uhr, ich stehe am Pissoir im Löwenbräu-Zelt und höre in der abgeschlossenen Kabine hinter mir deutliche Kotzgeräusche. Muss dem Typen echt übel gehen, wenn er sich bei diesen Toiletten vornüber beugt.
Ich verlasse das Bierzelt wieder und habe ziemlich schnell die Nase voll vom Oktoberfest. Also gehe ich in Richtung Hauptbahnhof und in meinem Kopf setzt sich ein kleines, aber feines Lied fest, welches ich schon gestern in der Arroganz-Arena nur zu gerne angestimmt hätte: Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin.
16. Mai 2008
In etwas mehr als 24 Stunden
Eine Woche Schlaflosigkeit liegen hinter mir und mit letzter Kraft schleppe ich mich heute ins Büro. Hinsetzen ist eigentlich tabu, da die Augenlider sofort auf Halbmast gehen. Trotz unendlicher Müdigkeit ist an Schlaf nicht zu denken. In nur noch etwas mehr als 24 Stunden wird ein gewisser Herr Fandel in seine Pfeife pusten und die seit langer, langer Zeit wichtigsten 90 Minuten meines Fanlebens anpfeifen. Abstieg ist bei weitem mehr Scheiße als wäre ein Pokalfinale verloren gegangen.
Morgen um diese Zeit sitze ich dann schon im Zug auf dem Weg nach Nürnberg. Wie ein Film wird die Saison noch einmal an meinem inneren Auge vorbeiziehen – ähnlich der Landschaft vor dem Zugfenster. Und ich werde sie überall liegen sehen, die Punkte, die wir nicht gemacht haben.
Doch genau das ist das Schlimme: Nur der Club ganz allein ist verantwortlich für die Situation in der er steckt. Das ist Schade, aber auf der anderen Seite sollten wir froh sein, dass noch nicht alles verloren ist. Es gibt sie, diese allerletzte, einzigartige Chance. Und wer wird schon schlafen wollen, so lange es die Chance gibt, wach zu bleiben?

